Dienstag, 14. Juni 2016

Wie geht's, altes Haus...

Uns ist der Schulwechsel geglückt. Nach knapp 1 Jahr Trara mit Schulamt und allem ist der Wechsel zurück in eine normale Schule geglückt. Mein Sohn war fast 2 Jahre auf einer Sonderschule, mit der wir sehr unglücklich waren, da Engagement und soziales Gefüge dort aus unserer Sicht sehr schlecht waren.
Die Folgen jetzt: Mein Sohn ist glücklich und geht in Deutschland zum ersten Male gerne in die Schule. Er wird natürlich anders gefordert, aber selbst das macht ihm mittlerweile Spass. Er sagte, "Mama, dort sind 28 Kinder, aber die können sich benehmen." Wenn er jetzt noch ein Kind fände, mit dem er ab und zu sprechen kann, vielleicht mal spielen, dann sieht die Welt bedeutend anders aus.
Er wurde neu eingestuft, eigentlich vom Alter her wäre er in der 4. Klasse, er ist dort aber in der 2. Klasse. Die 2. Klasse ist eine Klasse, die seiner allgemeinen Entwicklung und seinem Leistungsstand entspricht. Mir ist nicht wichtig wie schnell er lernt, mir ist wichtig, dass er lernt.

Montag, 11. Januar 2016

ADHS, wünsche ich meinem schlimmsten Feind nicht.

Asperger Syndrom, dass finden manche sogar cool. Ein Nerd zu sein, dem gewinnen Manche wenigstens etwas Gutes ab. Anders sieht es aus bei Menschen mit Hyperaktivität und Aufmerksamkeitsstörung, besonders Kinder mit dieser Diagnose erleben teilweisen einen Shitstorm, den möchte man seinem ärgesten Feind nicht wünschen.

Kurz:
Die Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS), die auch als Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätssyndrom oder Hyperkinetische Störung (HKS) bezeichnet wird, gehört zur Gruppe der Verhaltens- und emotionalen Störungen mit Beginn in der Kindheit und Jugend (nach ICD-10: F90–F98). Sie beginnt im Kindesalter und äußert sich durch Beeinträchtigungen in den Bereichen Aufmerksamkeit und Kontrolle von Impulsivität sowie durch ausgeprägte körperliche Unruhe (Hyperaktivität).

Besonders seit dem Tod von dem amerikanischen Neurologe Dr. Richard Saul, den man fälschlicherweise auch noch als den Entdecker von ADHS bezeichnete, wird behauptet 

Zitat:
ADHS ist eine Erfindung – darin sind sich der Entdecker der Krankheit und ein amerikanischer Neurologe einig.

Ist ADHS eine Erfindung?

ADHS ist groß in Mode. Die Zahl der Kinder, welche angeblich an ADHS leiden steigt ständig und damit auch die Zahl der Kinder, die in frühen Jahren die stark persönlichkeitsverändernde Droge Ritalin bekommen.
Aber was, wenn es diese vermeintliche Krankheit gar nicht gibt? Das behauptet zum einen ausgerechnet der Entdecker des ADHS, Leon Eisenberg, der seine Jugendsünde ADHS später bitter bereute und im letzten Interview vor seinem Tode klarstellte: „ADHS ist ein Paradebeispiel für eine fabrizierte Erkrankung.“ Er hatte erkennen müssen, dass es fast immer psychosoziale Ursachen seien, die zu den angeblichen ADHS-Symptomen führten.
Dieser Ansicht schließt sich nun auch der amerikanische Neurologe Dr. Richard Saul mit seinem Buch „ADHD Does Not Exist“ an. ADHS sei nur eine Sammlung von Symptomen, die ganz verschiedene Ursachen haben können, keine Krankheit. Statt Psycho-Drogen zu verschreiben, solle man lieber nach den wahren Ursachen suchen, so sein Appell. Die entsprechenden Symptome als ADHS zu bezeichnen und medikamentös zu behandeln, sei ein fataler Fehler und eine Verkürzung der Realität – ADHS letztlich nur eine Maske für ganz andere Problematiken, nach welchen aus Bequemlichkeit oft nicht gesucht werde.
Er fordert, dass die Diagnose ADHS aus den entsprechenden medizinischen Verzeichnissen entfernt wird und nicht mehr als Krankheit geführt werden darf.
Zitat Ende.

ADHD gibt es in der Forschung schon über 150 Jahre. Es wurde auch nicht von einem Forscher entdeckt, sondern es sind ganze Gruppen, die oft parallel solche Forschung betreiben. Alleine dieser "fabrizierte Umstand", verleiht der Aussage Sauls ein absolut falsches Gewicht.  Leider sind auch andere "Wichtigtuer" auf diesen Zug aufgesprungen sehr zum Leidwesen der Betroffenen.
Es ist schwierig hier bsp eine anerkannte Schwerbehinderung auf Diagnosen wie Austismus oder ADHS zu bekommen. Solche Verunglimpfungen machen es noch schwerer. Die Menschen trauen sich nicht, über ihre Probleme zu sprechen.
Es ist schwierig für Betroffene sich öffentlich zu äussern, es wäre wünschenswert, wenn man diesen Menschen auch mal zuhören würde, bevor man sie mit Halbwissen ver- und beurteilt. Oftmals endet so ein Bekenntnis in einem Shitstorm, wenn man auch noch sagt man nimmt ein Medikament wie Ritalin, Medikinet und ähnliches, dann wird man auch noch als Drogenabhängiger bezeichnet.
Die Aussage, dass immer psycho-soziale Ursachen zu den Symptomen führen ist genauso falsch wie zu behaupten, dass Autismus durch Impfungen verursacht wird und durch Chlorbleiche heilbar sei.
Die Symptome treten unvermittelt und ohne irgendeinen erkennbaren Zusammenhang zu Ereignissen auf und sie sind sehr dominant. Die Symptome bestehen IMMER und sind GLEICHBLEIBEND im Gegensatz zu psychisch bedingten Symptomen.  Es sollte immer den Betroffenen und dem unmittelbar behandelnden Arzt überlassen wie und wann Medikamente eingesetzt werden. Oftmals wird auch der Eindruck erweckt, dass man Ritalin an jeder Strassenecke bekäme, dabei wird es nur gegen Betäubungsmittelrezept ausgegeben. Die Wirkungsweise ist bei vorsichtiger Dosierung ehr unterstützend und zurückhaltend. Man ist nicht plötzlich ein anderer Mensch. Das ändert sich nur bei einer starker Überdosierung.Die Beschreibung das Medikament würde die Persönlichkeit verändern ist eine wirklich böswillige Lüge, die absolut haltlos ist. Zu Problemen kommt es dann, wenn unerwünschte Nebenwirkungen auftreten (dann setzt man das Medikament ab) oder vorallem bei Überdosierung.

Dann wird auch gerne behauptet Ritalin habe schlimmste Nebenwirkungen und sei wenig erforscht. Das Gegenteil ist der Fall. Methylphenidat (Ritalin) wurde erstmals 1944 von Leandro Panizzon, einem Angestellten der schweizerischen Firma Ciba (heute Novartis), synthetisiert.  Es ist eigentlich uralt. Es gibt gut dokumentierte Nebenwirkungen, wie bei bsp Schlafmitteln, nicht mehr und nicht weniger. Gäbe es schwerste Nebenwirkungen, gäbe es Haufen von Selbsthilfegruppen und auch Gruppen, die versuchen den Hersteller zB zu verklagen wegen der Nebenwirkungen. Fakt ist aber, das gibt es nicht. Ich würde nie jemanden empfehlen unbedingt Medikamente zu nehmen, aber ich kenne Fälle, wo dieses Medikament einfach gute Dienste tut. Ich verlange aber, dass jeder Erwachsene diese Entscheidung selber treffen kann und zwar ohne Shitstorm! Bei Kindern ist sicher der Verstand der Eltern gefordert und ein verantwortungsbewusster Arzt. Das Leiden muss nicht noch verschlimmert werden, nur weil ein mit halbwissen gefütterter Mob meint alles besser zu wissen.
Wenn ich mich hinter Betroffene gestellt habe, wurde mir teilweise unterstellt ich arbeite für die Pharmaindustrie, ich würde irgendwelche Pillen schmeissen usw, dabei bin ich nur Mutter eines betroffenen Kindes (Doppeldiagnose) und habe selber oft ADHS ähnliche Symptome. Ich kenne Ritalin, bzw Medikinet aus eigener Anschauung. 
 Weiteres Beispiel:
http://www.adhs.de/2therapie/erfahrungsbericht-medikinet.html 
Es verbleibt zu sagen, dass wenn ihr Kind keine Symptome mehr hat, wenn es mal im Garten spielt, dann seien Sie froh: Ihr Kind ist gesund. Allerdings kann man nicht behaupten, dass man ADHD durch draussen Spielen und Sport "heilen" könnte. Mir konnte auch noch keiner zeigen, wie man bsp beim "Rennen" Hausaufgaben machen kann oder ähnliches. Wahr ist, dass Sport ein sehr guter Ausgleich ist für hyperaktive Kinder und das man darauf achten sollte Kinder nicht in Reizen zu ertränken. Eine ruhige Umgebung macht auch ruhigere Kinder, selbst mit ADHD. Auch das ist wahr.
Wir haben zum Beispiel gute Erfahrung gemacht mit Montessori Umgebungen und Prinzipien. 
Allgemeine Information dazu hier: http://www.familie-und-tipps.de/Kinder/Erziehung/Montessori.html

Freitag, 8. Januar 2016

Dumm bis völlig daneben, Kommentare zum Thema Autismus von Nicht-Autisten

 Meine kleine Hitparade an vollkommen misslungenen Kommentaren zum Thema. Das entäuschende Element hier ist, dass Viele, die solche Kommentare loslassen, noch nichteinmal merken, dass sie Menschen mit Autismus herabwürdigen und sie eigentlich beleidigen und ihre Unwissenheit zum Thema preisgeben.

Mein absoluter Platz Nummer 1:
"Man sieht Ihnen ihre Behinderung aber nicht an."
(Kommentar eines Anwaltes in der Rechtsberatung)

Platz 2 aus der Abteilung Hausdiagnosen:
"Ihr Kind kann kein Autismus haben", der 2 Teil zu diesem Satz (der quasi nicht gesprochen wird lautet), es entspricht meinen persönlichen Vorurteilen zum Thema Autismus nicht.
(Kommentar einer Grundschullehrerin, die sich befähight fühlte Hausdiagnosen zu stellen)

Platz 3 aus der Abteilung aufgeschnappt:
"Das kann kein Autist sein, er kann doch sprechen."

Platz 4 , Mobbing am Arbeitsplatz original so:
"So jemand wie Sie kann nicht Lesen und Schreiben."

Platz 5 (aufgeschnappt)
"Autisten sind gefährlich und aggressiv."

Platz 6, Mobbing am Arbeitsplatz
"Wie kann jemand wie Sie ein Diplom gemacht haben."

Platz 7, Dummfinkenratschläge
"Das Kind muss mal raus, dann ist er nicht so nervös."

Platz 8 , einfach blöd:
"Jeder ist doch ein bisschen autistisch ."
(Arbeitskollege)

Platz 9:Dummfinkenratschläge
"Der muss auch mal ne Pommes essen."
Ach ja, warum?

Platz 10:
"Ist Autismus krank oder behindert?"
(Ich dachte NTs sind so?)


Sonntag, 20. Dezember 2015

Zu Weihnachten und zum Jahreswechsel

Was soll man nur sagen. Egal wo man liest über die Situation von älteren Menschen mit Autismus stösst man immer wieder auf die absolut gleichen (beruflichen und aber auch in der Konsequenz dann persönlichen) Probleme. Die Leute schaffen es nicht von zuhause raus, weil die berufliche Situation total desaströs ist, selbst wenn gute Zeugnisse und Abschlüsse vorhanden sind. Es ist ein Trauerspiel. Da helfen auch Firmen wie Auticon nicht, die so wenig Autisten in Arbeit bringen, dass es bestenfalls ein Tropfen auf dem heissen Stein ist. Ausserdem hat nicht jeder Autist auch Informatik studiert, ein Fakt, der oftmals völlig unbekannt scheint, weil durch Medien immer wieder der Eindruck erweckt wurde, dass Autisten IMMER Computerfreaks sind. Da tat doch das Beispiel von Dr. Preißmann gut, endlich mal jemand, der einen medizinischen Beruf hat und eine Frau ist. http://www.spiegel.de/gesundheit/psychologie/autismus-menschen-mit-asperger-syndrom-berichten-ueber-ihren-alltag-a-877992-2.html
Ich bin durch alle Möglichkeiten gegangen, der LVR unterstützt fast nur finanziell ein bestehendes Arbeitsverhältnis, die Beratung kann man sich schenken, weil sie oft von recht allgemeiner Natur ist. Diesen Service erhalten Sie aber nur, wenn Sie einen Schwerbehindertenausweis besitzen, eine Diagnose haben und vom Arbeitsamt eine Reha-Masznahme verlangen. Nicht jeder schafft es all diese Schritte zu gehen.
Nahezu alle "Hilfsangebote", egal ob sie nun gut sind oder schlecht, richten sich an Kinder, Schule, Auszubildene und bestenfalls noch Studenten. Danach ? Fehlanzeige! Frage: Was machen denn all die Leute, die erst spät diagnostiziert worden sind und ein Leben mit grossen Problemen hinter sich haben (so wie ich), größtenteils ohne das sie überhaupt wussten warum? Ist eigentlich auch nur irgendeinem klar, dass aus all den autistischen Kindern, die mittlerweile diagnostiziert werden, auch mal autistische Erwachsene werden? Und zwar mit all den Mobbing-, Ausgrenzungs, Demütigungs-, Depressions und Angeststörungsproblemen die aus diesen völlig misslichen Lagen produziert werden und wissen Sie, dass dies hier mal eine Solidargemeinschaft war, also dass alle diese Menschen eigentlich ein Anrecht haben auf sinnvolle und adäquate Beschäftigung? All die, die zur unfreiwilligen Unselbstständigkeit verdammt werden, weil jeder will individuell sein, aber wehe einer ist anders? Wo ist all diese gesellschaftliche Verantwortung? Fakt ist doch, es gibt noch nichteinmal ein irgendwie ernstzunehmendes Beratungsgsangebot für Autisten im Arbeitsmarkt!
Was ist aber auch nicht verstehe ist, warum nehmen wir ("die Autisten") das so hin? Wo sind die Proteste gegen diese Gesellschaft, wo doch Tausende darunter leiden? Ich verstehe oft den Gleichmut der Autisten nicht. Es gibt mehr, als nur euch selber, wenn wir uns nicht wehren, dann wird es den nachfolgenden evtl noch schlechter gehen als uns schon jetzt. Wir müssen uns da einmischen. Das wünsche ich mir für die Zukunft. Menschen, die den Mut haben zu sagen "So geht das nicht.", auch wenn es unbequem ist und gegen die Allgemeinheit.

Freitag, 13. November 2015

Briefe an das System Nr.2

Dieser Brief ging an ein anderes System, dass leider oft auch disfunktional ist. Das Thema Autismus und Schule und den Haufen Pseudoexperten, die sich inzwischen darum kümmern wollen.
Ich musste an das lokale Autismusberatungsteam für Schulen leider heute diesen Brief schreiben, nach 5 Monaten der Untätigkeit. Ich glaube mein Schreiben ist deutlich genug, das vorallem nichts getan wird und das hier auch nich gegen Datenschutzrechte verstossen wird. Die Beratung gab unsere Daten ohne Zustimmung an das Schulamt weiter, deswegen musste ich reagieren.

Sehr geehrte Frau S (vom Schulamt)
Ich hatte mich vor mehr als 5 Monaten an die Autismusberatung gewandt hinsichtlich V's Schule.
Er lernt fast nichts dort, wir lernen mit ihm hier täglich zuhause, obwohl dies doch eigentlich Aufgabe der Schule ist. Die sozialen Verhältnisse dort sind für einen Autisten nicht geeignet, weil die Schule wohl überfordert ist, das Verhalten der Kinder zu regulieren. Er wird täglich 60km herumgefahren.
Er wird dort in der 4 Klasse geführt, obwohl ich von Anfang an gesagt hatte, er ist von seiner Entwicklung her höchstens in Klasse 3. Das Gutachten besagt ähnliches, nur es wird eben ignoriert oder für nicht wichtig erachtet.
Wir sind jetzt 5 Monate hingehalten worden und auch belogen worden hinsichtlich einer qualifizierten Beratung und einer Liste von Schulen, die man sich für Vin ansehen könnte.
Ich hatte die Frau F nicht ermächtigt das Schulamt usw zu kontaktieren, deswegen setze ich Sie hiermit in Kenntnis.
Wir möchten V gerne im 3. Schuljahr in einer kleinem lokalen Grundschule anmelden. Es hat mit solchen Leuten keinen Sinn. Nachstehend meine Mail an Frau F wegen 5 Monate der Untätigkeit.

Mit freundlichem Gruß,

Sehr geehrte Frau F (Autismusberatung)
Wie kommen Sie dazu unsere Daten an Dritte zu geben?
Sie unterstellen hier wir seien Beraten worden worden von Frau G, das ist unwahr.
Frau G hat mir Fragen gestellt, dafür musste ich extra nach M fahren, obwohl ich in Köln arbeite. Das hätte man auch am Telefon oder noch lieber schriftlich machen können. Frau G versprach sich noch vor den Herbstferien Vs Schule anzusehen. Das war sehr optimistisch formuliert, sie war erst deutlich nach den Herbstferien dort. Danach weigert sie sich ihren Eindruck mitzuteilen, ich soll gezwungen werden wieder nach M zu fahren, obwohl ich zeitlich nicht weiss, wie ich das machen soll.
Hier geht es sich also um persönliche Befindlichkeiten der Frau G.
Ich denke, dass Frau G eine absolut ungeeignete Person ist, denn sie interessiert sich für sich, aber nicht für die Menschen mit denen sie zu tun hat. Ich möchte nicht, dass sie weiter involviert wird. Sie hat uns belogen. Sie hat wichtige Termine (zum Ummelden an eine andere Schule) einfach verstreichen lassen. Sogar die Schule selber wundert sich, denn auch sie erhielten keinerlei Rückmeldung.
Alles was wir jemals wollten ist eine Liste mit Schulen, die in Frage kommen. Darauf warten wir seit mehr als 5 Monaten, ich finde diesen Zeitraum absolut unangemessen.
V hat am Besten gelernt in einer Montessori Umgebung und in Gruppen, die kleiner sind als 15 Kinder.
Niemand kennt den Autismus meines Sohnes besser als ich.
Ich lebe Autismus seit 46 Jahren, es gibt fast nichts was mir nicht bekannt wäre. Also überlegen Sie sich, ob Sie mich wirklich beraten können. Auf Floskeln, Vorurteile und ähnliches reagiere ich nicht besonders gut, denn ich wurde mein ganzes Leben lang ausgegrenzt, verunglimpft und diffamiert. Es wäre sehr nett, wenn Sie das berücksichtigen könnten und Menschen ein bisschen ernster nehmen.


Mit freundlichem Gruß

Montag, 9. November 2015

ABA und die dunkle Wolke, die es umgibt.

Früher habe ich mich immer gewundert, warum es so derartig viele Artikel über ABA gibt. Ich muss dazu sagen, ich hatte keine Berührungspunkte damit. Ich bin Autist, spät diagnostiziert und was aber wichtig in diesem Zusammenhang ist, ist denke sehr autark und packe Dinge sehr autodidaktisch und autark an, weil ich sogenanten Nts nicht immer sehr viel zutraue.

Der erste, der bei uns diagnostiziert wurde war mein Sohn. Ich war immer schon hervorragend gut darin eine Maske zu tragen, so dass meine Andersartigkeit weniger auffiel, mein Sohn hat sich hingegen da wirklich wenig Mühe gegeben. Er sprach nicht und entwickelte um 2 Jahre herum eine eigene Sprache, die sich toll anhörte, die ich aber mühsam entschlüsseln musste, denn das Sprache auch Austausch bedeuten sollte, dass war meinem Sohn einfach nicht klar. Ich wurde nach ihm diagnostiziert und unser Leben stand Kopf. Nichts war mehr so, wie es sein sollte. Mein Sohn machte leider auch andere Sachen, die ich beunruhigender fand. Er verletzte sich selber. Es war mir wohl auch bekannt aus früheren Tagen. Wenn man so richtig in der Falle sass und mit dem Verhalten der "Anderen" überhaupt garnicht mehr klarkam...da half dieser Akt einfach Dampf abzulassen. Man war verletzt, aber konnte diese Verletzheit nur auf Umwegen zum Ausdruck bringen. Ich war 7-8 Jahre alt als dieses anfing, mein Sohn war bedeutend jünger als er seinen Kopf gegen Fliesen schlug, wenn es mal eine unruhige Atmosphäre gab oder auch Konflikte. Ich wusste natürlich, dass es für andere schlimmer ist als für einen selber und trotzdem denke ich als Elternteil natürlich, dass muss man doch anders lösen können in dem Sinne, dass man dem Kind dieses Verhalten auf eine sanfte und gute Art nehmen kann, so dass es sich nicht mehr weh tun muss. Nun offensichtich sollte man alle konfliktbeladenen Situationen einfach vermeiden. Das ist ein sehr guter Gedanke, nur er funktioniert leider nicht immer, weil diese Situationen manchmal von ganz anderen Menschen ausgelöst werden. Darauf hat man nicht immer Einfluss und ich denke auch, dass Autisten auch mit solchen Situationen umgehen müssen ohne dass sie dabei zu Schaden kommen. Je mehr ich mich damals mit Autismus beschäftigt hatte, desto mehr Fragen tauchten auf und desto mehr erkannte ich natürrlich auch Zusammenhänge, die man nur erkennen kann, wenn man ähnliches erlebt hat.
In Neuseeland, wo wir damals lebten, gab es nicht so furchtbar viel. Alleiniger Ansprechpartner war die National Autistic Society, die man auch vom UK kennt. Hier sind Betroffene und Angehörige organisiert, es sind hauptsächlich Freiwillige, die dort arbeiten. Dort hatte ich auch mit meinem Mann einen kleinen Elternkurs besucht. Er war sicherlich nicht perfekt, aber sehr auf Verständnis und Geduld für die Kinder basiert. (Early Bird)


Da ich schon immer eine Forschernatur war, war mir das natürlich nicht genug. Ich schrieb mich an der Uni in Wellington für Kinder- und Jugendpsychologie ein, weil ich wollte, dass mein Sohn in der Lage ist zu sprechen. Nebenbei machte ich auch einen ABA Kurs in den Staaten online, aus Neugierde und um zu sehen, ob man hier irgendetwas brauchbares erlernen kann.
Tja oh Schreck Oh Graus. Ich muss ehrlich sagen, dass dieser Kurs nichts mit dem ztu tun hatte, was man hier auf Erfahrungsberichten hört. In keinster Weise wurde hier mit Zwang oder 40 Stunden Konzepten gearbeitet. Wenn man so will war das eigentlich kein ABA Kurs, sondern ehr ein Kurs, wie man auch mit Schwierigkeiten eine gute Erziehung hinkriegt. Sanft und auf die Kinder zugehend. Tja, selbst in der Uni lernten wir ABA anders kennen. Wir lernten nach Australischem Standard mit dem Hauptbuch Behaviour Modification, ISBN 0-13-194227-1

Was wir aber vorallem lernten war, dass man nie und zu keinem Zeitpunkt etwas unternimmt, was nicht dem Klienten nutzt, zu Schaden führt, etwas ist welches der Klient nicht will usw.  Dies war und ist das Hauptaugenmerk.

Ich frage mich, wenn ich bsp lese, dass man http://www.ifa-bremen.de/fortthera1.htm bei diesem Institut mit ein paar Wocheendblockkursen eine " vor allem eine Einführung in die hochwirksame autismusspezifische Verhaltenstherapie (AVT)." machen kann. Was bitte soll denn das sein? Wenn man allerdings diese "Zielseite" hier liest, wird schnell klar warum es geht:
Forschungsprojekt: „Aufmerksamkeit, Blickverhalten und Entwicklung eines Joint-attention-Trainings“

Das Forschungsprojekt hat zum Ziel, die Kontrolle der visuellen Aufmerksamkeit als eine der basalen Voraussetzungen für soziale Interaktion und Lernen bei jüngeren autistischen Kindern experimentell zu untersuchen und ein spezifisches Trainingskonzept zur Förderung dieser Fertigkeiten zu entwickeln. Blickbewegungen autistischer Kinder werden mit dem Eye-tracker analysiert und mit denen normal entwickelter Kinder. ........(....)


Die Kontrolle von Blickrichtung und Blickkontakt ist eine beliebte und vollkommen unsinnige ABA Übung. Ich sage das, weil ich selber oft nur losen Blickkontakt habe , ihn auch gern vermeide aber ich 100% sagen kann, dass dies nichts mit meiner Aufmerksamkeit zu tun hat. Vielmehr hat das was zu tun mit einem mir immer innewohnenden Wunsch nach Distanz und Sachlichkeit. Das ist Teil meiner Persönlichkeit, tut niemandem weh, ist typisch autistisch und na und?
Für mich widersprechen diese Pseudotherapien fundamental einem ethischem Anspruch, den man an Psychologen, Psychotherapeuten und Ärzte stellen kann und muss.

Ich meine Autisten sollten sich das ganze selber an der Quelle ansehen. Die meisten Veröffentlichungen über ABA Interventionen sind nachzulesen im "Journal of Applied Behavior Modification". Aber ihr werdet zum Beispiel schnell mitbekommen, das es bei ABA nicht nur und ausschliesslich um Autisten geht. Das wollen einige immer Glauben machen. Das stimmt nicht.

http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/journals/309/

Viele Artikel sind mittlerweile gebührenfrei einzusehen. Aber Triggerwarnung! Ihr werdet viele unsinnige Artikel hier finden mit Interventionen, die man besser gelassen hätte.

Beispiel: http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC3469297/
Intervention über unverhältnissmässiges Verhalten von Grundschulaspies. Sie gaben falsche Antworten..sie sprachen lieber über ihr Lieblingsthema und beantworteten Fragen wie Was machst du am Wochenende nicht.
Was macht man da? Es ist so einfach...aber nein, da müssen ja hochbezahlte Spezialisten ran...wie super idiotisch.
Mehr als einmal schon hatte ich den Gedanken, dass ABA vorallem eine Arbeitsbeschaffung für Nicht-Autisten mal wieder ist. Angst von Eltern, damit kann man doch hervorragende Geschäfte machen.

Viele Autisten kann man sehr wohl über ihren Intellekt erreichen und Ihnen erklären, warum man manchmal zumindest Fragen beantwortet, auch wenn man den Sinn nicht versteht. Kein Drama.
Mein Sohn hat übrigends Sprechen gelernt und vieles Anderes. Seine Selbstverletzung habe ich abgestellt durch Elektro Spielzeug, also eine Ablenkungsmasznahme, die ihn sein eigentliches Vorhaben vergessen liessen. Ja, ich habe ihn auch aus dem Raum getragen, das würden wohl alle Eltern tun, die sich um ihr Kind Sorgen. All das habe ich nur angewandt, wenn es auftrat. Das Verhalten verschwand. Sprechen gelernt hat er mit PECS. Eine sehr gute Intervention , die häufig zu verbaler Sprache führt. War mein Uni Projekt zur Verhaltensänderung. Wir haben viele Dinge gelernt mit Maria Montessori Pädagogik. Ihre visuellen Lehrmittel, die offenen Schulpläne und die ruhige und entspannte Atmosphäre im Klassenzimmer war und ist super für einen Autisten, der Schwierigkeiten hat zu lernen in einer "normalen" Umgebung.
Fazit: Sie brauchen kein ABA. Manchmal braucht man eine Verhaltensänderung, aber bitte doch mit friedlichen und kindgerechten Mitteln.

Was man nicht braucht:
- Erzwungenen Augenkontakt
- beantworten von Fragen zu egal was
- konformes, roboterhaftes Verhalten
- 40 Stunden Wochen für Kinder
- Kinder, die jeden Event mitmachen
- keine negativen Verstärker
- keine Gewalt, sowohl physisch als auch verbal
- Therapien, die von nur grob angelernten Kräften verabreicht werden
- Therapien ,die auch gegen den Willen der Kinder durchgeführt werden
-  Blindwütige Konditionierung mit Spätfolgen!

Wozu möchten sie das?
Unsere Umwelt konditioniert uns schlimm genug. Wieviele Niederlagen hat jeder Autist in seinem Leben bereits erlebt. Ich sage Ihnen ein Geheimnis: ABA wird das nicht stoppen. Ich war als Kind ein Meister der Maskierung. Weil ich teilweise schlimm ausgegrenzt war, habe ich versucht mir bestimmte Sachen anzulernen und anzueignen. Ich war auch in Therapien, die aus mir einen sozialeren Menschen machen sollten. Es ist alles fehlgeschlagen. Die "Anderen" bemerkten halt einfach etwas später, daß ich anders bin, aber sie bemerkten es. Ich habe heute oft Schwierigkeiten "NEIN" zu sagen, wenn ich merke, etwas tut mir nicht gut, weil ich zu große Angst habe mal wieder "aufzufallen" und ein Querulant zu sein.Ich musste fast Sterben, um überhaupt nur weiterleben zu wollen. Das ist eine Folge dieser Konditionierung. Bedenken Sie bitte, was Sie Kindern damit antun, wenn Sie das auch noch extra betreiben. Die wissen bald nicht mehr wer sie sind. Die Folgen davon können weitere psychosomatische Erkrankungen sein, wie Depressionen, Sucht oder Anorexia. Sie zerstören das Vertrauensverhältnis zu ihrem Kind nachhaltig. Möchten Sie das?

Was bitte spricht dagegen ein Kind so anzunehmen, wie es ist?

Als Mensch mit eigenem Wesen. Wenn ich lese, dass Frau Klemm zum Bsp folgendes unterstellt:

(Zitat aus dem Interview veöffentlicht auf "Quergedachtes":
„Frau Klemm: Wo ist IHRE Empathie für Autisten, deren Gefühle und Handlungen?“
Frau Klemm holt aber noch weiter aus:
„Die meisten Menschen ohne Kontakt zu Menschen mit Autismus können sich nicht vorstellen, wie narzisstisch pervers Menschen mit ihrem Behinderungsbild agieren können.“
Sie vertritt also die Meinung, dass die Autisten die sich zu Wort melden ihre Behinderung nutzen um narzisstisch pervers zu agieren."

Wenn ich bsp Psychologie studiere, dann verpflichte ich mich dazu den Menschen, dem ich helfen möchte mit einer positiven Grundeinstellung zu begegnen, denn sonst kann ich ihm nicht helfen. Im Gegenteil, ich laufe Gefahr ihm zu Schaden. Was ist das also für eine Ausbildung zur ABA Therapeuten, die im Widerspruch zu anerkannten Heilberufen stehen?

Von Quergedachtes:
Frau Klemm antwortet dann (in Auszügen) folgendes:
„Sehr geehrter Herr Kummer, wahrscheinlich sind Sie ein Mensch mit Autismus und vielleicht nicht in der Lage, die Konsequenzen Ihres Handelns einzuschätzen.“
Wieso ist jemand der ABA Kritisiert wahrscheinlich Autist? Und warum wird dem Kommentator unterstellt dass er evtl. nicht in der Lage ist die Konsequenzen seines Handelns einzuschätzen? Etwas das sich, wenn man die Kommentare weiter verfolgt, eigentlich Frau Klemm fragen sollte.
„Ihre Aussage ist inhaltlich falsch, da es sich bei ABA um eine Naturwissenschaft handelt, die sich mit dem Verhalten von Lebewesen, z.B. Ihnen beschäftigt. Es handelt sich um Verhaltentherapie im weiteren Sinne.“

Naturwissenschaftlich jaja, im Prinzipt richtig. Es wird genau untersucht wann ein Verhalten auftritt, wie oft und in welchen Zusammenhängen. Das ist relativ naturwissenschaftlich. Nur wird eine neurologische Komponente komplett ausser Acht gelassen. Das ist ehr weniger wissenschaftlich, das ist fahrlässig. Der Umstand, dass Autisten eine neurologisch bedingte andere Wahrnehmung von Dingen haben wird ganz und garnicht berücksicht. Dabei ist es offensichtlich, das man dieses nicht abtrainieren kann. Das macht ABA so extrem sinnlos. Und nochmal eine Intervention, die nicht von dem Gedanken getragen wird einem Menschen bestmöglichst und langfristig zu helfen widerspricht jeder beruflichen Ethik. Daran ist nichts zu rütteln und genau deswegen müssen hier auch Autisten als perverse, gefähliche und selbstsüchtige  Individuen, die manche nichtmal als menschlich ansehen, dargestellt werden. Anders kann man eine solche Vorgehensweise nicht rechtfertigen. Das macht ABA unmenschlich. Die einzig richtige Konsequenz wäre es ABA mitsamt der Chlorbleichlaugenpseudomedizin einfach zu verbieten. Es macht Kinder völlig kapputt und die wirklich schlechten Folgen gibt es erst mit Zeitverzögerung..

Ich halte mich lieber an gute Verhaltensänderung durch gute Erziehung, gerne im Sinne von Maria Montessori. Ich würde mich sehr freuen, wenn viele andere es auch tun würden. Nicht jeder muss zwangsweise mit einem autistischen Kind überfordert sein. Das sind nur Manche.
Was mir aber nachhaltig nicht aus dem Kopf geht ist einfach der Umstand , dass es all diese unsäglichen Methoden nur gibt, weil es Eltern und "Therapeuten" gibt, die meinen Autismus heilen zu müssen. Wir brauchen keine Heilung von uns selber. Was helfen würde wäre etwas mehr Toleranz. Ist doch gerade so schick, mit Willkommenkultur und so weiter. Warum gibt es keine Willkommenskultur für Autisten?

Lesenswert hierzu auch das:
https://www.facebook.com/herbert.raab.73/posts/820859618030713

Herr Raab hat diesen Bericht von einem Ex-ABA Therapeuten übersetzt:
Es gibt einen Bericht eines ehemaligen ABA-Therapeuten, den ich übersetzt habe. Alle, die meinen, man könne mit Verhaltenstherapie Autisten "normal" machen, sollten sich das mal genau durchlesen.
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Warum ich mit ABA aufgehört habe
22. Mai 2015, von anxiousadvocate
Als ich ABA-Therapeut wurde, war ich anfänglich freudig erregt. Ich würde tatsächlich meinen Psychologieabschluss verwenden können, mehr als den Mindestlohn erhalten und vor allem etwas Positives im Leben autistischer Kinder bewirken können. Oder wenigstens dachte ich genau dies.

Jetzt blicke ich zurück, und das Jahr, das ich mit der Arbeit für ABA verbrachte, führt zu meiner einzig großen Reue.
Als ich das drangab, war das keine Entscheidung, die ich über Nacht traf. Es war ein langer, schwerer Prozess, voller Verleugnung und Verwirrung. Ich spreche nicht gerne darüber, weil ich so viel Falsches gemacht habe, das sich auf das Leben von Kindern auswirkte, und ich will mich da wirklich nicht reinwaschen. Aber ich möchte, dass Sie ein Gespür dafür erhalten, wie dieser Prozess aussah, falls jemand zufällig in der gleichen Lage ist wie ich.
Ehe ich weitermache, möchte ich sagen, dass ich der Autistengemeinschaft so dankbar dafür bin, dass sie Dinge aus ihrem Leben und ihre Erfahrungen mitgeteilt hat. Wahrscheinlich würde ich heute noch mit ABA arbeiten, wenn sie sich nicht unermüdlich bemüht hätte, es Behindertenfeindlichkeit zu nennen, was mir half, das in meinem Leben und in meiner Arbeit zu erkennen. Auf ihre Stimmen und ihre traumatischen Erfahrungen mit ABA zu hören, ließ mich damit aufhören, und nichts an der folgenden Kritik an ABA stammt von mir. Ich erfuhr alles von Autisten, und ich werde hier viele ihrer Schriften und Videos, die meine Entscheidung, aufzuhören, beeinflussten, verlinken.
Da ABA sich an vorderster Stelle auf das Leben von Autisten auswirkt, sind ihre Stimmen der wichtigste Teil dieser Diskussion, und es ist wesentlich, dass Sie auf das hören, was sie ausdrücken.
Und natürlich sind die Links in diesem Beitrag nur eine kleine Auswahl aus all den unschätzbaren Informationen, die es in der Autistengemeinschaft gibt – Sie können so viel lernen, wenn Sie weiterhin nach autistischen Schreibern und Sprechern suchen. Ehe Sie weiterlesen, empfehle ich Ihnen, die FAQ-Seite über Autismus von Autistic Hoya und das Video von Amythest Schaber anzusehen, weil es bereits so viel Fehlinformation darüber gibt, was Autismus ist. Und es gibt keine bessere Fachperson über Autismus als einen Autisten selbst.
Ich möchte auch, dass Sie sehen, dass viele Therapieformen für autistische Kinder sich „ABA“ nennen, aber nicht alle würde man als das herkömmliche ABA betrachten, und so mögen sie weniger problematisch sein als die Formen, die ich in diesem Beitrag besprechen werde. Oftmals wird eine Therapie nur deshalb ABA genannt, damit die Krankenversicherung sie bezahlt. Darum kann es einen verwirren, über ABA zu sprechen, weil der Begriff verwendet wird, um eine breite Vielfalt von Lehrmethoden zu umfassen. Bitte verstehen Sie, wenn ich in diesem Beitrag über ABA spreche, dann rede ich darüber aus meiner eigenen Erfahrung. Diese Seite [...] ist eine gute Zusammenfassung der Arten von ABA, die ich durchgeführt habe (obwohl ich nie dort speziell gearbeitet habe), zu denen das Discrete Trial Training (DTT), das Natural Environment Training (NET) und das Irrtumsfreie Lernen gehören.
Als ich als ABA-Therapeut zu arbeiten begann, hatte ich vorher kaum etwas über ABA gehört, und es war für mich etwas uneingängig. Ich habe es gegoogelt, und ich fand Seiten über Seiten mit glühenden Berichten von Familien darüber, wie sehr ABA ihren autistischen Kindern geholfen habe. Ich sah, dass Autism Speaks, die größte und bekannteste Fürsprechergruppe über Autismus in den USA, ABA förderte. Ich sah, dass ABA eine evidenzbasierte Praktik aufgrund wissenschaftlicher Forschung sei, und dass es die am meisten verbreitete Therapie für autistische Kinder in Amerika ist. Leute, die als „Autismusexperten“ gelten, empfahlen es sehr. Ich ging mit dem Gefühl los, es sei ein großes Werk, was ich da tue.
Doch ich machte auch die erste kleine Bekanntschaft mit anderen, kritischeren Sichtweisen. Ich wusste nicht, wie ich mit den nonverbalen Kindern umgehen sollte, mit denen ich arbeitete, und das veranlasste mich, etwas beiläufig über die Erfahrungen von autistischen Menschen nachzuforschen. Schließlich fand ich Ido Kedars wunderbares Buch über seine Erfahrungen als nonverbaler Autist, und er lehrte mich, dass die Fähigkeit zu sprechen nichts über die Intelligenz von jemandem aussagt. Ido kritisierte ABA offen, weil es unter anderem nicht diese einfache Tatsache anerkannte, und er schreibt in seinem Blog oft darüber, wie sehr er von seinem ABA-Team unterschätzt wurde (wie dieser Beitrag). Seine Erfahrungen hinterließen einige Zweifel bei mir über dieses Feld, aber eine negative Ansicht konnte nun wirklich nicht all das Positive um ABA herum wegwischen.
Und das ist es großenteils, was ich in den folgenden Monaten tat. Ich nahm mir einiges an Idos Kritik zu Herzen und hatte die Sorge, ABA sei für nonverbale Kinder nicht immer eine gute Option, doch es hatte immer noch den Anschein, als könne es einigen helfen. So konzentrierte ich mich darauf, zu lernen, meine Arbeit gut zu machen und zu versuchen, die Art von Therapeut zu sein, die niemals an der Intelligenz eines Kindes zweifelte. Ich meinte, das reiche.
Nach einer Weile beschloss ich, mehr Meinungen über ABA von Autisten selbst zu erhalten. Ich ging wieder zu Google und begann, eine lebendige Online-Gemeinde aus Autisten und ihren Verbündeten zu entdecken.
Als ich anfing, mehr Blogs und Artikel von Autisten über ihr Trauma als Ergebnis von ABA zu finden, war ich so entsetzt, dass ich sie kaum zu Ende lesen konnte. Dieser Eintrag [...] von Unstrange Mind war einer der ersten, die ich fand, und er ließ mich echt an meiner Arbeit zweifeln.
Aber ich war auch schnell mit einer Rechtfertigung für mich dabei. Was immer ich las, es wäre leicht, etwas über die Erfahrung eines Autors mit ABA zu finden, was anders als meine war. Ich redete mir ein, das ABA, das ich ausübte, sei nicht dasselbe, weil wir keine negativen Verstärker verwendeten; oder weil wir Optionen für positive Verstärker hatten, die die Autoren nicht hatten; oder weil einige Kinder so große Fortschritte machten; oder weil mir die Kinder wirklich am Herzen lagen.
Dieser letzte Grund war für mich der tröstlichste. Ich glaubte, weil ich mich um das Wohlergehen der Kinder kümmerte und den starken Wunsch hatte, ihnen zu helfen, müsse daher alles, was ich tat, in ihrem besten Interesse sein. Das hat mich besonders unempfänglich dafür gemacht, dass ich Fehler beginge.
Sich kümmern bedeutete, ich könne ihnen keinesfalls schaden. Jetzt erkenne ich, wie gefährlich diese Vorstellung wirklich ist. Ich habe vielen Menschen geschadet, die mir sehr am Herzen lagen. Sich um jemanden zu kümmern oder gute Absichten zu haben heißt noch lange nicht, das Beste für ihn zu tun.
Aber ich war überzeugt, ABA könne nicht schaden, weil es erfunden wurde, um zu helfen – das glaubte ich jedenfalls damals. Das Ergebnis dieser Denkweise ist, dass autistische Kinder wiederholt gezwungen werden, Dinge zu tun, die unnatürlich, uninteressant oder sogar schmerzhaft für sie sind, und das alles im Namen der „Therapie“ – und alles mit Lächeln und lebhaften Attitüden seitens der Therapeuten, die das fordern. Die Kinder mögen weinen. Sie mögen wegzulaufen versuchen. Sie mögen sich widersetzen. Aber sie müssen es tun, weil wir entschieden haben, das sei gut für sie und wir würden ihnen ja helfen. Vielleicht sind sie ja gerade einfach nicht in der Lage, das zu sehen oder zu verstehen. Real Social Skills schreibt sehr pointiert über diese Art von Haltung bei Therapeuten in diesem Eintrag [...].
Dieses Gesamtkonzept nennt sich Gehorsamstraining, und es ist ein vielen ABA-Programmen innewohnender Teil. Die Regel ist, wenn man als ABA-Therapeut einen Befehl erteilt, muss man ihn befolgen, egal worin er besteht. Versucht ein Kind, zu weinen oder wegzulaufen oder in andere „Verhaltensweisen“ zu verfallen, dann darf man nicht nachgeben, denn dann bestärkt man nur sein schlechtes Verhalten und macht es wahrscheinlicher, dass es künftig darauf zurückgreift.
Hoffentlich können Sie sehen, wie verstörend diese Vorstellung ist, wie ich es nun tue. Gehorsamstraining lässt für das Kind keinen Weg zu, „Nein“ zu sagen, wenn ein Therapeut einen Befehl erteilt, weil jeder davon ausgeht, das Kind habe keinen hinreichenden Grund, sich zu weigern, etwas zu tun. Dieses Video von Amythest Schaber [...] (alias Neurowonderful) erklärt, warum das so schädlich ist.
Wie Amythest erklärt, sendet das Gehorsamstraining eine verheerende Botschaft an autistische Kinder: sie dürften nie „Nein“ sagen. Es sagt ihnen, ihre Gefühle gälten nicht, und am Schlimmsten: etwas stimme mit ihnen überhaupt nicht, wenn sie durch Dinge verletzt oder genervt werden, die uns nicht verletzen oder auf die Nerven gehen. Als bedeute „neurotypisch“ automatisch, dass wir irgendwie wüssten, was das Beste für ein autistisches Kind ist.
Gehorsamstraining wird doppelt gefährlich, wenn es nicht in einem wirklichen Verständnis der Erfahrungen autistischer Menschen wurzelt. Häufig ist es ein vielen Zielen von ABA zugrunde liegender Grund, den Kindern beizubringen, weniger autistisch auszusehen und zu handeln. Wenn ein Kind Verhaltensweisen zeigt, die den Neurotypikern in seiner Umgebung „repetierend“ oder „obsessiv“ erscheinen oder einfach nicht verstanden werden, dann versuchen Behavioristen oft, dies zu ändern. Stimming ist das bekannteste Beispiel dafür, aber es könnte alles mögliche sein. Auf Zehenspitzen gehen, zu oft über dasselbe Thema reden, Echolalie verwenden, ein intensives Interesse haben, keinen Augenkontakt herstellen, die Ohren zuhalten, nicht in spezifischer Weise mit Spielzeug umgehen – alles, was Behavioristen als „unangemessen“ betrachten, wird oft zum Ziel, woran das Kind arbeiten muss, um es zu ändern. (Wenn Sie nicht wissen, was Stimming ist: Amythest hat zwei großartige Videos [...]. Sie können auch den Eintrag von BjforShaw lesen.)
Das Problem ist, dass diese Art von Zielen vollkommen die Tatsache abtut, dass jeder einen Grund dafür hat, etwas zu tun. Dass jemand anders nicht versteht, warum ein Kind mit den Händen schlägt oder sich die Ohren zuhält oder irgend etwas anderes tut, heißt noch lange nicht, dass es dafür keinen hinreichenden Grund gibt.
Da zu Autismus auch häufig besondere sensorische Empfindlichkeiten gehören, ergibt es völlig Sinn, dass Autisten anders auf die Welt reagieren als Neurotypiker. Tatsächlich haben viele Autisten bereits erklärt, es gebe einen Grund für ihr Stimming und andere repetierende Verhaltensweisen, die Neurotypikern vielleicht als merkwürdig erscheinen – zum Beispiel ist das ein natürlicher Ausdruck von Gefühlen und hilft, überströmenden sensorischen Input zu regulieren, wie Amythest in ihrem ersten Video über Stimming es erklärt. Dinge, die ein Neurotypiker kaum bemerken würde, zum Beispiel flackernde Leuchtstoffröhren oder leise Hintergrundmusik, können für jemanden mit erhöht reagierenden sensorischen Systemen erdrückend sein. Das heißt, einem Kind das Stimming zu verbieten – das oft in einem Unterbrechen oder Verhindern besteht, indem man mit körperlicher Gewalt die Hände an seine Seite oder auf den Tisch zwingt –, könnte für das Kind körperlich schmerzhaft sein. Julia Bascom schreibt darüber, wie entsetzlich diese Erfahrung ist [...]. Beim Augenkontakt ist es ähnlich; viele Autisten haben auch gesagt, direkter Augenkontakt sei eine sehr erdrückende sensorische Erfahrung, wie Judy Endows in einem Eintrag [...].
Gehorsamstraining und schädliche Therapieziele sind bei vielen Formen von ABA die beiden größten Probleme, doch es gibt eine Vielzahl von Befürchtungen, die Autisten und ihre Verbündeten nach ihren Erfahrungen erhoben haben. Es folgt eine keineswegs vollständige Liste, doch dies sind weitere Befürchtungen:
• Der Gebrauch ausdrücklich negativer Verstärker, um aktiv inakzeptables Verhalten zu unterbinden (siehe den Eintrag von Ink and Daggers).
• Alle Belohnungen zurückhalten, bis das Kind darum bittet oder sie verdient, einschließlich Nahrung, Unterbrechungen und Zuwendung.
• Keine freien Zeiten oder nur kurze Pausen bei 5-8-Stunden-Tagen (wiederum der Eintrag von Unstrange Mind, der im Einzelnen auch weitere Probleme bei ABA erklärt, darunter die Ziele, die Kinder „normal“ machen sollen).
• Das Nichterkennen motorischer Apraxie, die den Anschein erwecken kann, ein Autist verstehe einen Befehl nicht, wenn er in Wirklichkeit vielleicht nicht in der Lage ist, seinen Körper dahin zu bekommen, ihm zu gehorchen, weil er eine Fehlverbindung zwischen Sinn und Körper erlebt (siehe nochmals den Eintrag von Ido Kedar, den Eintrag von Amy Sequenzia und den Eintrag in Emmas Hope Book).
• Es erlaubt Behavioristen zu viel Macht (siehe den Eintrag von Real Social Skills).
• Es verwendet verbale („ruhige Hände“, „“liebe Hände“, „Hände herunter“) und körperliche Aufforderungen, um Kinder vom Stimming abzuhalten (siehe nochmals den Eintrag von Julia Bascom).
• Es benutzt Benennungen von Funktionen, um die Fähigkeiten eines Kindes zu definieren (siehe diesen Eintrag [...] bei Musings of an Aspie und dieses Video [...] von Amythest Schaber).
• Es verwendet routinemäßig physische Einschränkungen als Lösung bei Kindern, die gewalttätiges oder destruktives Verhalten zeigen, anstatt als allerletzte Möglichkeit bei Verhalten, das als schädlich erkannt wird (siehe diesen Eintrag [...] von Real Social Skills und diese Checkliste [...] bei We Are Like Your Child, um Quellen für Aggression zu identifizieren).
• Man nimmt nicht an, Kinder seien kompetent und hätten, verwandt damit, keine adäquaten Kommunikationsmittel (siehe diesen Eintrag [...] bei Emmas Hope Book und diesen Eintrag [...] von Ido Kedar).
Von diesen Dingen hatte ich bei ABA bis auf das Erstgenannte Anteil an allen.
Als ich in dem Bereich eingebunden war, erkannte ich nicht völlig die behindertenfeindliche Denkweise, die so vielen der Programme für Kinder zugrunde lag. Andere hatten jahrelang auf dem Gebiet gearbeitet und sprachen mit Zuversicht über die von ihnen benutzten Lehrmethoden. Eltern vertrauten ihnen; und einer Menge wurde vermutlich das Gleiche gesagt wie mir. Die Menschen, mit denen ich arbeitete, behandelten mich freundlich und rücksichtsvoll. Ich hörte wiederholt, es sei die einzige wissenschaftliche, evidenzbasierte Methode für autistische Kinder und auch die effektivste, daher vertraute ich dem die Zulassung für Verhaltensanalytiker erteilenden Gremium, das die Kinderprogramme schrieb, und nahm an, es gebe einen guten Grund, warum wir taten, was wir taten.
Natürlich ist Unkenntnis keine Entschuldigung. Ob ich mir die Zeit nahm, Autisten zuzuhören, oder nicht, die ABA-Therapie, die ich ausübte, war für diese Kinder schädlich. Ob ich das wusste oder nicht, änderte nichts daran.
Es dauerte eine Zeit, bis ich völlig erkannte und akzeptierte, warum viele Autisten gegen ABA sind. Ich pflegte aufzuwachen und zur Arbeit zu gehen, entschlossen, weitere Gründe zu finden, warum mein ABA gut sei. Ich fühlte mich glücklich, wenn ich meinen Klienten sah, und achtete darauf, dass auch er glücklich war, mich zu sehen. Ich war mit Leuten zusammen, die ich bewunderte und respektierte, ich hörte von den Fortschritten der Kinder, und in diesen Momenten fühlte sich alles, was ich am vergangenen Abend gelesen hatte, nur wie ein schlechter Traum an. Dann ging ich nach Hause, suchte nach Weiterem, was Autisten über ABA zu sagen hatten, und musste mir wiederum einreden, mein ABA sei doch anders.
In dieser Zeit versuchte ich alles mir Mögliche, um zu sehen, ob es einen Weg gab, mit ABA zu arbeiten, ohne ethische Probleme zu bekommen, aber ich fand wiederholt, dass ich eine Entscheidung zwischen ABA und meiner Achtung vor dem Kind treffen musste.
Belohnungen zu verweigern gehörte zu ABA. Kinder zum Reden oder zu Zeichensprache zu bringen, selbst wenn das deutlich nicht die beste Kommunikationsweise für sie war, gehörte zu ABA. Stimming auszulöschen, Augenkontakt zu erzwingen, neurotypische Spielfähigkeiten beizubringen gehörte zu ABA. Gehorsam zu erzwingen gehörte zu ABA. Wenn ich dies alles nicht tun wollte, dann hieß das, ich konnte kein ABA-Therapeut sein.
Als ich schließlich begann, meine Zweifel gegenüber den Personen, mit denen ich zusammenarbeitete, zu äußern, war die häufigste Verteidigung, die ich hörte: ABA ist eine wissenschaftliche, evidenzbasierte Methode, und wir müssen uns mehr auf wissenschaftliche Studien als auf anekdotische Erzählungen von Autisten selbst verlassen.
Doch diese Worte sind bei vielen Fällen von ABA nicht so eindrucksvoll, wie sie zu sein scheinen. Ja, die Methoden bei ABA sind „wirkungsvoll“, aber nur in dem Sinne, dass eine Menge Autisten, die ABA durchlaufen, später „weniger autistisch“ aussehen. Das heißt, ein autistisches Kind wird wahrscheinlich lernen, autistische Verhaltensweisen zu unterdrücken, wenn es ABA durchläuft, das ein Normalmachen zum Ziel hat. Aber das sagt nichts darüber, wie sich ABA auf das Selbstbewusstsein eines Autisten auswirkt, auf seinen emotionalen Zustand und sein Weltbild. Es sagt nichts darüber, ob ABA ethisch ist. Wenn wir es daran messen, ob ABA Autisten hilft, sich in einer großenteils neurotypischen Welt sicher, angepasst und akzeptiert zu fühlen, dann ist ABA gemäß den überwältigenden Aussagen aus der Autistengemeinschaft sehr wirkungslos.
Hier kommt ein Beispiel. Wenn jemand ein Kind schlägt, um es an etwas zu hindern, das er nicht mag, würde das Kind wohl damit aufhören, und dann könnten Sie sagen, Schläge seien eine „effektive“ Methode. Man könnte als Teil einer wissenschaftlichen Studie sogar Daten erheben, um zu zeigen, dass die Verhaltensweisen des Kindes abebbten, nachdem man anfing, es zu schlagen. Doch offenkundig bedeutet das nicht, dass jemand ein Kind schlagen sollte. Es bedeutet nicht, dass Schläge keine Misshandlung sind. Es bedeutet nicht, dass das Kind gesund und glücklich darüber, wer es ist, aufwächst. Misshandlung ist niemals in Ordnung, und die Wissenschaft kann die Ethik einer Methode nicht ansprechen.
Noch besorgniserregender ist, dass ABA von Ivar Lovaas begründet wurde, der unverhohlen sagte, er glaube, Autisten seien gar keine Menschen. Dies ist ein wörtliches Zitat von ihm: „Sehen Sie, Sie beginnen eigentlich ganz von vorne, wenn Sie mit einem autistischen Kind arbeiten. Sie haben eine Person im physischen Sinne vor sich – sie hat Haare, eine Nase und einen Mund –, aber es ist kein Mensch im psychologischen Sinne. Ein Weg, die Aufgabe zu betrachten, autistischen Kindern zu helfen, ist, es so zu sehen, dass man einen Menschen konstruiert. Sie haben das Rohmaterial, aber Sie müssen die Person erbauen.“ Lovaas verwendete auch Elektroschocks bei autistischen Kindern.
Natürlich würden heutzutage nur sehr wenige Leute bei ABA offen dem zustimmen, was Lovaas über Autisten gesagt hat. Die meisten kennen das wahrscheinlich nicht einmal. Aber sein Denken wird bei vielen Aspekten von ABA immer noch sehr deutlich – zu viele Behavioristen tun die Tatsache ab, Autisten hätten gute Gründe, die Dinge auf ihre Weise zu tun, auch wenn es jetzt eine ganze Gemeinde von autistischen Eigenanwälten gibt, um die eigenen Erfahrungen zu erklären.
Wenn es Ihr Ziel ist, einer bestimmten Gemeinschaft zu helfen, dann ist eins der ersten Dinge, die Sie tun sollten, sicherzugehen, dass Sie in Kontakt mit der Gruppe sind, der Sie zu helfen versuchen. Ihre Stimmen sind wichtiger als die eines jeden anderen. Und doch bleiben viele ABA-Programme völlig von der Autistengemeinschaft abgekoppelt.
Als ich einmal erkannte, dass sich nichts ändern würde, nachdem ich meine Zweifel äußerte, konnte ich mich schließlich nicht mehr herausreden. ABA war falsch, und ich musste da heraus. Ich stellte eine Liste mit vielen der Anti-ABA-Artikel zusammen, die ich bei der Autistengemeinschaft gelesen hatte, schickte sie per E-Mail an meine Supervisoren, redete noch einmal mit ein paar von ihnen, warum ich ABA aufgab, und dann ging ich nichts wie der Teufel da raus.
Ich bin so froh, dass ich da weggehen konnte. Aber es gibt immer noch weitaus zu viele autistische Kinder, die nicht weggehen können, egal wie sehr sie es möchten.
Kinder, die mir am Herzen liegen, sind immer noch bei ABA, 5 Tage pro Woche 25-40 Stunden lang. Und sie könnten mit Leichtigkeit ein weiteres Jahrzehnt oder mehr von ihrem Leben dort verbringen. Viele werden in dem Gebiet aufwachsen und die Botschaft verinnerlichen, sie seien fehlerhaft, nur weil sie mit einem anderen Neurotypus geboren wurden. Einfaches Faktum ist, dass viele Autisten, die ABA durchmachten, es als Misshandlung schildern, und einige haben daraus sogar eine posttraumatische Belastungsstörung.
Wenn Sie mit Behaviorismus oder ABA arbeiten – wenn Ihre Tätigkeit einige der oben erwähnten Merkmale hat –, dann nehmen Sie sich bitte die Zeit, zu lesen, was Autisten sagen, und schätzen Sie wirklich ab, ob Sie helfen oder schaden. Reden Sie mit Ihren Supervisoren oder Kollegen über das, was Sie bei Menschen in der Autistengemeinschaft gelesen haben. Fragen Sie sich selbst, ob Sie sich wohl dabei fühlen, mit einem Autisten über Ihre Arbeit zu sprechen. Ich weiß, dass das beängstigend ist, und ganz ehrlich: Es ist nicht leicht. Es war nicht leicht für mich. Aber ich habe es geschafft, und das können Sie auch.
Und vergessen Sie auch nicht, dass es nicht um Sie geht. Es geht nicht darum, was für Sie am leichtesten oder bequemsten oder am besten für Ihre Karriere ist. Es geht hier um autistische Kinder und Erwachsene, die mit dem Gefühl von Trauma und Entwertung aufwachsen. Es geht darum, Autisten damit zu helfen, unsere Gesellschaft sicherer und alle Arten von Neurotypus akzeptierend zu machen und sie an sie anzupassen. Stellen Sie sicher, dass Sie für dieses Ziel und nicht dagegen kämpfen.


Donnerstag, 5. November 2015

Darf ich Ihnen das "Tschüss" anbieten...

Darf ich Ihnen das "Tschüss" anbieten...davon sollte man viel öfter mal Gebrauch machen. Ich bin der Meinung, dass man Umstände und Menschen, die einem konstantes Unbehagen, Alpträume und ähnliches bescheren einfach verlassen sollte. Das Leben ist eigentlich zu schade für solche Menschen oder Umstände. Leider tauchen sie immer wieder auf. Auch an Stellen, an denen man sie nie vermutet hätte. Und dann nagen und nörgeln sie, erst leise und dann immer lauter und lauter, bis man sich die Ohren zu halten muss, um sie noch länger zu ertragen. Das erstaunlichste ist, wenn vorallem Menschen nicht einmal zu bemerken scheinen, dass sie einem anderen Menschen solche Schmerzen bereiten durch ihr handeln. Im Moment habe ich solche Menschen in meiner Umgebung und werde alles dafür tun Ihnen baldmöglichst einfach das "Tschüss" anbieten zu können. Ja wirklich.